Diskussion:Solidaritätsbekundungen

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Solidaritätsbekundung der ACEL (Association des Cercles d'Etudiants Luxembourgeois - Dachverband der luxemburgischen Studentenvereinigungen)

Pressemitteilung Stellungnahme der ACEL zu den Studentenprotesten in Europa Was in Österreich vor einigen Wochen begonnen hat, breitete sich in den letzten Tagen über Deutschland und den Rest Europas aus: Studentenproteste und –streiks, wie man sie in dieser Größenordnung wohl zuletzt vor knapp 40 Jahren erlebt hat. Die Studenten gehen auf die Straße um ihre Ideen und Forderungen in Bereichen wie Bologna-Reform und Studienfinanzierung kundzutun und eine Diskussion über die Zukunft der Hochschulausbildung anzuregen.

Als Vertreter der Luxemburger Studenten erlaubt sich die ACEL (Association des Cercles d’Etudiants Luxembourgeois a.s.b.l.) in diesem Schreiben zu diesem Thema Stellung zu beziehen.

Sowie die streikenden Kommilitonen ist auch die ACEL davon überzeugt, dass das Studium nicht ausschließlich der Wirtschaft dienen soll. Es ist nicht die Aufgabe der Universitäten dem Arbeitsmarkt nachzugeben und bloß die augenblicklich geforderten Arbeitskräfte auszubilden. Vielmehr sollten Universitäten und Hochschulen ein Raum freier Gedanken bleiben. Es darf zu keinem Moment soweit kommen, dass Studierenden vorgeschrieben wird was sie studieren sollen. Diese unantastbare Freiheit betrifft sowohl die Wahl des Studiengangs, als auch den Inhalt des Studiums.

Allerdings kann eine Annäherung zwischen Arbeitsmarkt und Studenten in gewissen Bereichen auch im Sinne der Studenten sein. So ist eine praxisnahe Ausbildung, verbunden mit Praktika, eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Berufsstart. In der Beziehung zwischen Wirtschaft und Hochschule gilt es also diese knifflige Gratwanderung zwischen inhaltlicher Freiheit beim Studium und praxisnaher Bildung zu meistern.

Diese Forderungen hatte die ACEL bereits in ihrem im September erschienenen „Objectif 2014“ veröffentlicht. (http://www.acel.lu/files/pdf/pk-09-rentree/objectif-2014.pdf) Zugangsbeschränkungen, soweit sie nicht aus den infrastrukturellen Gegebenheiten der jeweiligen Hochschulen begründet sind, sind in den Augen der ACEL inakzeptabel. Im vereinigten Europa muss es für jeden EU-Bürger möglich sein, seinen Studienplatz frei wählen zu können. Einschränkungen aufgrund der Herkunft, wie sie mittlerweile in verschiedenen Ländern entweder angedacht oder gar bereits umgesetzt sind, bilden im höchsten Maße einen Gegensatz zur Personenfreizügigkeit der EU und sind daher untolerierbar.

Die Zugangsbeschränkungen existieren jedoch leider nicht nur bei den Studienanfängern, sondern auch beim Zugang zu Master-Studiengängen. Da der europäische Arbeitsmarkt scheinbar noch nicht in jeder Branche bereit ist für junge Arbeitskräfte mit Bachelor-Diplom, ist es jedoch äußerst wichtig, dass gerade der Zugang zum Master-Studiengang für jeden qualifizierten Studenten offen ist.

Die bereits angesprochene Mobilität der Studenten muss verbessert werden. Die Vielfältigkeit des europäischen Bildungsraums, mit seiner langen Hochschul-Tradition und den unterschiedlichen Kulturen auf vergleichsweise kleinem Raum, ist einzigartig und sollte von den Studenten genutzt werden können.

Damit dies jedoch gelingen mag, müssen verbesserte Bedingungen für die Mobilität der Studenten geschaffen werden. Wer für ein oder zwei Semester die Universität wechselt um neue Erfahrungen zu sammeln, darf nicht bestraft werden indem ihm die an der Gastuniversität abgelegten Prüfungen nicht anerkannt werden und er somit sein Studium verlängern muss.

Es ist also notwendig, dass äquivalente Studienleistungen, während eines Austauschsemesters, an der Stammuniversität anerkannt werden. Dies sollte aber keinesfalls zu einer Vereinheitlichung der Lehre an den verschiedenen Hochschulen und Universitäten führen, da dies im Gegensatz zur Pluralität des bestehenden Angebotes stehen würde.

Es gilt also auch hier wieder einen Kompromiss zu finden. Eine mögliche Lösung wäre das Abschließen bindender Abkommen zwischen den Universitäten. Diese gibt es zwar teilweise bereits, jedoch kommt es auch zwischen Partner-Universitäten oft vor, dass Geleistetes nicht anerkannt wird. Auch hier gibt es also Handlungsbedarf. Die Studentenproteste richten sich aber auch und vor allem gegen die Studiengebühren und die Bologna-Reform.

Als Vertreter der Luxemburger Studenten kann sich die ACEL nicht erlauben, den Gesetzgebern anderer Staaten Vorschriften zu machen, zumal die Erhebung der Studienbeiträge in Deutschland etwa Sache der Länder und nicht des Bundes ist. Vom sozialen Standpunkt aus betrachtet, stellen die sehr hohen Studiengebühren in verschieden Bundesländern jedoch erhebliche Probleme dar. Falls also Studiengebühren verlangt werden, so sollten diese auch sozial gestaffelt sein, damit die Bildung nicht zum Luxusgut verkommt.

Für den Fall, dass doch Studiengebühren erhoben werden, müssen diese Gelder transparent und sinnvoll gebraucht werden.

Es bleibt aber das Problem der Finanzierung der Studien. Überfüllte Hörsäle, Mangel an Professoren, und veraltetes Lehrmaterial sind nicht hinnehmbar. Wer die zukünftige Elite ausbilden will, muss auch in sie investieren. „Nur unter besten Bedingungen sind gute Leistungen erreichbar“, was in Wirtschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft schon längst als Credo gilt, muss auch an den Hochschulen gelten.

Die ACEL stellt sich keines Falls gegen den Bologna-Prozess, da sie die guten Ansätze und Ideen dahinter erkennt. Allerdings ist durch die gesammelte Erfahrung unserer Studenten in Deutschland und Österreich klar zu erkennen, dass die Umsetzung oft fehlgeschlagen ist. Vor allem das deutsche Hochschulsystem tat sich schwer unter europäischem Druck, innerhalb einiger Jahre und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern doch ziemlich verspätet, seine Studien in Bachelor und Master-Studiengänge umzustrukturieren. So kommt es beispielsweise zu überfüllten Lehrplänen und einem erhöhten Leistungsdruck. Der Unmut der Kommilitonen in Deutschland und Österreich ist als absolut verständlich und die ACEL erhofft sich Verbesserungen bei der Umsetzungen des Bologna-Reform.

Kontakt Max Flammang (Responsable relations presse): 661 436 001 / max.flammang@acel.lu

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